Donnerstag, 30. April 2015

Impfen oder nicht impfen, das ist hier (nicht) die Frage …!



Hatten Sie schon einmal Rota-Viren? Nein? Kann ich auch nicht unbedingt empfehlen. 

Als das Mittelkind im Impfalter ist, kommt ein Impfstoff dagegen auf den Markt. Als kritisch-distanziert-interessiertes Elternpaar diskutieren wir über das Für und Wider und entscheiden uns schließlich gegen die Impfung. An Brechdurchfall stirbt es sich ja für gewöhnlich nicht so schnell, und man muss ja nicht stumpf gegen alles impfen. Nee, muss man wirklich nicht!

Deswegen erbricht das Mittelkind sich dann eines Tages auch schwungvoll in meinen Ausschnitt. Kennen Sie die Kotz-o-Rama-Szene aus der Stephen King Verfilmung „Stand by me – Geheimnis eines Sommers“, in der beim Tortenesswettbewerb eine Kettenreaktion von sich erbrechenden Menschen ausgelöst wird (die komischerweise alle schwallartig Blaubeerkuchen ausspucken, selbst die, die nur im Publikum gesessen und de facto keinen Blaubeerkuchen gegessen haben)?

Na ja, genauso fühle ich mich auf jeden Fall, ich würde liebend gern mitspucken. Ich stelle den armen Pimpf, der von seiner eigenen Handlung so überrumpelt worden ist, dass er angefangen hat, wie am Spieß zu brüllen, in die Badewanne und versuche, mich selbst zunächst notdürftig zu säubern. Rabenmutter? Sollte ich mich nicht zuerst um meinen Sohn kümmern? Sollte ich, aber das kann ich nicht, solange sein Mittagessen auf meiner nackten Haut klebt. Ich habe keine Probleme mit essensverschmierten Mündern oder Rotz und Tränen, die in meinem Lieblingspulli abgewischt werden. Ich puhle meinen Söhnen auch schon mal einen Popel (hier bekannt als Bumpi) aus der Nase und ich säubere Unterhosen, die im Eifer des Gefechts mit einer Windel verwechselt wurden, aber Erbrochenes führt bei mir auf der Stelle unwiderruflich zu Würgreflexen.

Ich rufe den Mann auf der Arbeit an, der wider Erwarten sogar ans Telefon geht.

„Örghmpfph“, würge ich.

„Wie bitte?“

Okay, das bringt nichts, da muss ich wohl selbst durch. Wie gut, dass ich nur mit Erbrochenem Probleme habe, in diesem Moment verzieht das Mittelkind nämlich das Gesicht und maunzt kläglich. „Mama.“ An seinen Beinen läuft der Inhalt seiner gesprengten Windel hinab. Wie praktisch, dass er noch in der Badewanne steht.

Da das Entleeren der möglichen Körperöffnungen in den nächsten Stunden im Wechsel oder wahlweise sogar zeitgleich nicht endet, kommen wir um einen Besuch bei der Kinderärztin mit Stuhlprobe („Kein Problem, warten Sie fünf Minuten!“) nicht drum herum.

Am nächsten Tag hat es auch das Großkind erwischt. Er leidet wie ein echter Mann und verlangt nach einer 24/7-Betreuung. Eigentlich ist er mit seinen zu diesem Zeitpunkt vier Jahren bereits in der Lage, einen Eimer zu treffen, entscheidet sich aber lieber fürs elterliche Bett, für das mir langsam die Bezüge ausgehen.

„Frätzchen, wenn du noch einmal brechen musst, dann bitte in den Eimer oder wenn du es bis zu dem nicht schaffst, aufs Parkett, aber nicht auf den Teppich, in Ordnung?“

„Mach ich, Mama“, spricht er zwischen zwei Schluchzern und bricht auf den Teppich.

In meinen Gedärmen beginnt es, gefährlich, zu grummeln, als das Telefon klingelt. Es ist die Kinderärztin mit den Ergebnissen der Stuhlprobe.

„Haben Sie nicht gegen Rota-Viren impfen lassen?“

„Nein.“

„Ja, dann haben Sie die jetzt.“

Hmpf!

Während das Mittelkind brav seine Elektrolytlösung schlürft und sich langsam auf dem Wege der Besserung befindet (man muss es nur schaffen, die Windel sofort in dem Moment zu wechseln, in dem er sie befüllt und kann damit Schlimmeres verhindern), fangen der Mann und ich nun auch an, zu kränkeln (vorsichtig umschrieben). Dankenswerterweise sind wir in der Lage, Eimer und Toilette zu nutzen, sodass mir zumindest das weitere Wechseln von Bettlaken und Kleidung erspart bleibt.

Die nächsten Tage ernähren wir uns blassgesichtig von stundenlang eingekochter Möhrensuppe (schmeckt so gut wie es klingt) und versuchen, diese auch im Magen zu behalten.

Nach der Geburt des Winzkindes haben wir uns nun spontan dazu entschieden, ihn gegen Rota-Viren impfen zu lassen. Er scheint jedoch Wert darauf zu legen, lieber Brech-Durchfall zu bekommen. Bei unserem Kinderarztbesuch spuckt er die Schluckimpfung nämlich in kleinen Fontänen direkt wieder aus dem Mund (kennen Sie diese Fische, die ihre Beute mit gezielten Wasserstrahlen aus der Luft schießen?). Der Rest, der doch seinen Weg in dem Magen gefunden hat, wird mit einem ausgewachsenen Milchbäuerchen wieder entsorgt. Sollte er wirklich irgendwann Rota-Viren bekommen, stelle ich ihn in einem Weidenkörbchen an die Straße mit dem Hinweis, dass wir ihr gern wieder zurück nehmen, wenn er es überstanden hat. Denn nochmal möchte ich das nicht mitmachen!

Dies alles soll übrigens kein mit erhobenem Zeigefinger gehaltenes Plädoyer für die Rota-Viren-Impfung sein! Falls Sie Ihre Kinder nicht gegen Rotaviren impfen wollen, sollten Sie kein schlechtes Gewissen bekommen, wir haben es alle überlebt. Gegen das Kinderkriegen soll es natürlich auch keins sein, falls meine Schilderungen Sie irgendwie abgeschreckt haben sollten.

Und schimpfen Sie jetzt nicht, über die expliziten Beschreibungen sich erbrechender Familienmitglieder, ich hatte Sie ausdrücklich mit meinem Banner gewarnt.

Diejenigen unter Ihnen, die jetzt gar nicht genug bekommen können, denen empfehle ich das „Barf-o-Rama“ in Bild und Ton bei youtube.

1 Kommentar:

  1. Oh jeh' ich hoffe, diesen heiligen Brech-Bimbam-habt ihr gut hinter euch gebracht und es kommt bald ein neuer Beitrag?

    Viele Grüße


    Nina

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